Loop

Das Do-it-Yourself Closed Loop System

Loop-App

Loop ist eine iPhone-App-Vorlage für ein Closed Loop Insulinsystem. Sie wurde auf Basis von LoopKit programmiert. LoopKit ist ein Bündel von Programmen zum Speichern, Datenabruf, Berechnen und Steuern dieses Closed Loop Insulinsystems.

Warnung!

Bitte seien Sie sich bewusst, dass dieses Projekt hoch experimentell und nicht für die Insulintherapie zugelassen ist!

Sie übernehmen die volle Verantwortung und handeln auf eigenes Risiko, wenn Sie dieses System konfigurieren und in Betrieb nehmen.

Ihr Diabetologe würde sich strafbar machen, wenn er Sie in irgendeiner Form im Zusammenhang mit diesem System beraten würde!

Wir haben es dennoch versucht und werden die einzelnen Schritte hier dokumentieren. Diese Dokumentation ersetzt in keinster Weise die offizielle Loop-Dokumentation, die nur auf Englisch verfügbar ist.

Mit der kostenlosten (Open Source) Loop iPhone-App-Vorlage können Sie selbst ein Insulinpumpensystem bauen, das aus einer Reihe von kommerziell verfügbaren oder kostenlosen Hardware- und Software-Bausteinen zusammengesetzt ist, die eine Insulinpumpe, ein kontinuierliches Blutzuckermesssystem (CGM) und Rechenalgorithmen so miteinander verbinden, dass am Ende ein Closed Loop System herauskommt. Loop versucht dabei, den Blutzuckerwert vorherzusagen anhand Basalratenschemata (aus der Pumpe), den aufgenommenen Kohlenhydraten (manuell einzugeben), dem wirksamen Insulin und den aktuellen Blutzuckermesswerten.

Mit diesen Informationen berechnet Loop eine temporäre Basalrate mit dem Ziel, den Blutzuckerwert in bestimmten Grenzen zu halten. Dabei kann Loop sowohl im "Open Loop"-Modus betrieben werden, in dem es nur Vorschläge zur Anpassung der Basalrate macht, die man dann manuell bestätigen muss, bevor die App die Pumpe steuert, oder im "Closed Loop"-Modus, wo es die Pumpe entsprechend seiner Berechnungen automatisch aussteuert.

Loop arbeitet dabei mit nur einem Output-Parameter, nämlich mit der temporären Basalrate, die an die Pumpe übermittelt wird. Diese wird in vorgegebenen Grenzen (siehe Erstkonfiguration) erhöht oder abgesenkt, so dass als Konsequenz der Blutzuckerwert in Richtung des vorgegebenen Zielbandes gesteuert wird.

Das Loop-Team empfieht ganz klar, zunächst mit dem "Open Loop"-Modus anzufangen, bevor man sich in einem zweiten Schritt im "Closed Loop"-Modus den Algorithmen der App "ausliefert". Im "Closed Loop"-Modus wiederum sollten man zunächst hohe Sicherheitsgrenzen konfigurieren und erst nach ein paar Tagen ohne Vorkommnisse engere Grenzen ziehen. So lernt man das System Schritt für Schritt kennen.

Während dieser Phase wird empfohlen, seine Fragen aktiv in der Nutzergruppe der App (größtenteils auf Englisch) zu stellen.

Und nun kommen Sie bitte mit auf unsere Reise zum Do-it-Yourself Closed Loop System - Ausgang derzeit noch ungewiss! Ich werde unsere Erfahrungen hier nach und nach dokumentieren, also schauen Sie einfach öfters mal vorbei!

Pumpenkomponenten

Mit folgenden Kosten muss man rechnen (Vorsicht, das Pumpenzubehör wie Insulin, Katheter und Reservoir muss natürlich zur eigenen Pumpe passen!), wobei einiges davon erstattbar ist. Wir empfehlen außerdem die Anschaffung einer Ersatzpumpe.

Was? Einmalig / € Jährlich (nicht erstattbar) / € Jährlich (erstattbar) / €
iPhone (falls noch nicht vorhanden) - je nach Geldbeutel und Geschmack ca. 400-1200    
Gebrauchte Pumpe (falls noch nicht das richtige Modell vorhanden) ca. 300-400    
RileyLink (außer man baut es selbst) inkl. Einfuhrumsatzsteuer von 19% und DHL-Gebühr ca. 150    
Apple Developer Mitgliedschaft   99  
Insulin (Novorapid 100 IE/ml Injektionslösung, 5 Durchstechflaschen zu 10 ml) bei 3 ml Reservoirgröße und Komplettwechsel alle 2 Tage     ca. 12x175 = 2100
Minimed Mio Katheter (10 Stück pro Packung) bei Komplettwechsel alle 2 Tage     ca. 20x150 = 3000
Paradigm Reservoir Pak 3 ml (10 Stück pro Packung) bei Komplettwechsel alle 2 Tage     ca. 10x120 = 1200
Summe (mit gebrauchter Pumpe, aber ohne CGM)

ca. 850-1750

99 ca. 6300

 

Loop funktioniert ausschließlich unter folgenden Voraussetzungen: Sie benötigen

  • eine kompatible Insulinpumpe
  • ein kompatibles CGM
  • ein Gerät namens "RileyLink"
  • ein kompatibles iPhone bzw. iPod Touch
  • einen Apple Mac-Computer mit dem Betriebssystem High Sierra macOS 10.13.4 oder Nachfolger
  • die Gratis-Programmierumgebung von Apple namens "Xcode"

Sie müssen in der Lage sein, Software auf Ihrem Mac zu installieren und benötigen einen Apple Developer Account, um Loop auf Ihrem iPhone installieren zu können. Sie benötigen den Apple-Computer nicht für die tägliche Nutzung von Loop, jedoch für die Installation von Loop auf Ihrem iPhone.

Ferner will ich drauf hinweisen, dass die Loop-App Gesundheitsdaten (Blutzuckerwerte, etc.) mit Apples Heath-App austauscht (was man beim ersten Start von Loop auch bestätigen muss). Man muss sich also bewusst sein und es wollen, dass die Gesundheitsdaten des Loop-Nutzers auf US-Servern gespeichert werden! Hier muss jeder selbst entscheiden, ob das für ihn ein “No Go“ ist, ich will aber explizit drauf hingewiesen haben!

Bleibt die Frage, ob es auch andere Do-it-Yourself-Loopsysteme gibt. Ja, gibt es. Beim Stöbern im Internet bin ich auf folgende private Seite mit Erfahrungen zu Closed Loop gestoßen: beate_putzt. Dort ist eine Accu-Chek Combo, ein Dexcom G5 und ein Samsung Galaxy S4 mini im Einsatz. Bei Interesse bitte direkt dort nachfragen, ich konzentriere mich hier auf das System mit den oben beschriebenen Komponenten.

Es scheinen grundsätzlich nur Pumpen von Medtronic geeignet zu sein, und hier auch nur solche, die zwischen 2006 und 2012 hergestellt wurden, und die dürfen auch nur eine bestimmte Firmware-Version haben. In der Loop-Dokumentation wird das genauestens erläutert, daher lesen Sie sich das bitte gut durch, bevor Sie Geld in irgendetwas anderes investieren.

Nun hatten wir leider keine solche Insulinpumpe, da meine Tochter derzeit noch die Roche Insight Pumpe trägt. Da ich aber Feuer und Flamme bin, dieses Projekt umzusetzen, habe ich mich nach passenden Modellen auf dem Gebrauchtmarkt umgesehen, also bei Ebay, auf Ebay-Kleinanzeigen und auf Quoka. Tatsächlich wurde gestern ein Modell auf Ebay versteigert, allerdings bin ich beim Preis von 370 Euro aus der Auktion ausgestiegen. Das wurde mir einfach zu viel.

Auch auf Ebay-Kleinanzeigen wurde ich fündig, aber leider nicht mit passender Firmware-Version. Letztlich habe ich dort dann eine Suchanzeige aufgegeben - und tatsächlich kam gleich am nächsten Tag, also heute, folgende schöne Nachricht - siehe Bild!

Fazit: Wenn Sie nicht zufällig eine geeignete Pumpe mit geeigneter Firmware haben, findet man mit etwas Mühe und Glück auf dem Gebrauchtmarkt eine. Nur nicht aufgeben... :-)

Es sei außerdem darauf hingewiesen, dass, sollte man die Pumpe je zu Medtronic einschicken müssen wegen etwaiger Defekte, automatisch die neueste Firmware aufgespielt wird, so dass sie danach nicht mehr für Loop brauchbar ist.

Wenn man dann eine gebrauchte Pumpe erstanden hat und vorher ein anderes (oder gar kein) System verwendet hat, empfieht es sich, sie eine Zeit lang ohne Loop zu nutzen, um den Umgang damit zu lernen. So mussten auch wir umlernen, auch beim Katheter setzen. Hier gibt es schöne Erklärvideos im Internet, z.B. wie man einen Medtronic Mio setzt und das Reservoir füllt (auf Englisch und mit einer neuen 640G-Pumpe).

Als CGM sind folgende Systeme kompatibel:

  • Dexcom G5 und G6
  • Dexcom G4 mit "Share Receiver", der sich wiederum mit der Share2 App auf dem iPhone verbindet
  • Das Medtronic Minimed Enlite CGM

Da meine Tochter bereits mit dem Dexcom G5 ausgestattet ist, sollte das also keine Hürde sein.

Laut der Loop-Dokumentation funktioniert das ganze System auch ohne Mobilnetz, lediglich Bluetooth muss aktiviert sein.

RileyLink mit iPhone

Loop funktioniert nicht ohne ein kleines Gerät namens "RileyLink", welches Bluetooth-Signale vom iPhone in Funksignale für die Medtronic-Pumpe "übersetzt" und umgekehrt.

Es gibt detaillierte Bauanleitungen im Internet, mit denen man sich angeblich ein RileyLink-Gerät zusammenlöten kann. Da aber das Löten von winzigen Elektronikbauteilen auf eine Platine so gar nicht meine Stärke ist (und da scheine ich nicht alleine zu sein), kann man sich das Gerät auch in den USA bestellen. Ein paar Freiwillige scheinen sich damit ein paar Dollars dazu zu verdienen.

Zum Preis von 150$ kommen noch die Einfuhrumsatzsteuer von 19% (ca. 25 Euro) und eine DHL-Gebühr von 6€, die man bei Anlieferung durch den Paketboten bereit halten sollte. Von der Bestellung bis zur Anlieferung hat es bei uns 2 Wochen gedauert.

Für die lange Wartezeit empfieht der Autor der Loop-Dokumentation, sich mit der Pumpe - so man sie schon hat - auseinander zu setzen, seinen Apple-Computer und sein iPhone auf den neuesten Stand zu bringen und Xcode zu installieren, ein Backup vom iPhone anzulegen, und vieles mehr.

Xcode mit Loop-Projekt

Wenn alle Voraussetzungen stimmen, kann man mit den Vorbereitungen auf seinem Apple-Computer fortfahren. Das ist bestens in der Loop-Dokumentation beschrieben. Danach hat man alle Betriebssysteme (iOS, Mac OS X, ggf. watchOS) aktuell und Xcode 10 und Homebrew installiert. Homebrew ist ein Programm, das es ermöglicht, die für Loop benötigen Software-Packages zu installieren.

Spätestens jetzt muss man sich auch für das Apple Developer Programm anmelden, denn ohne kann man keine selbst kompilierten Apps auf seinem iPhone installieren. Angeblich gibt es eine Gratis-Mitgliedschaft, mit der es möglich ist, Loop für einen begrenzten Zeitraum, quasi mit Verfallsdatum, von 7 Tagen auf dem iPhone zu installieren, mir wäre das aber zu lästig, daher habe ich mich für die Einzelmitgliedschaft für 99 Euro pro Jahr entschieden (Vorsicht, automatische Verlängerung, daher am besten entweder gleich eine Erinnerung zur rechtzeitigen Kündigung in seiner Erinnerungen-App anlegen oder die automatische Verlängerung in den Account-Einstellungen deaktivieren!).

Nun folgt man den Anweisungen der Loop-Dokumentation und die Installation auf dem iPhone klappt wunderbar.

Premiere! Loop läuft!

Es ist der 7. November 2018, 22:40 Uhr, unsere Tochter schläft schon lange und selig, und Papa ist ganz aufgeregt, weil Loop auf Anhieb und das erste Mal läuft - zunächst mal im Open Loop Modus! Die Konfuguration hat mich ca. 1h Zeit gekostet, das meiste davon war gründliches Lesen der Loop-Dokumentation zur Konfiguration.

Wichtig ist, nicht zu vergessen, vor der ersten Loop-Konfiguration an der Pumpe die Option Basalprofile zu deaktivieren und den temporären Basalratenmodus auf Einheiten/Stunde (U/H) statt Prozent umzustellen.

Mit RileyLink verbinden

Der RileyLink muss sich in der Nähe der Pumpe befinden und natürlich eingeschaltet sein (zu erkennen am grünen Schimmer unter dem Plastikgehäuse). Generell ist die Funkverbindung zwischen RileyLink und Pumpe "empfindlicher" als die Bluetooth-Verbindung zwischen RileyLink und iPhone. Daher ist es ratsam, den RileyLink immer in der Nähe der Pumpe zu tragen. Meine Tochter trägt ihn z.B. unmittelbar neben der Pumpe in einem für Kinder erhältlichen Pumpengurt mit zwei separaten "Kammern".

Pumpe suchen und konfigurieren

Der erste Schritt in der App ist nun, die Einstellungen zu öffnen und eine Pumpe hinzuzufügen. Als erstes wird nach verfügbaren RileyLinks gesucht. Wenn gefunden, muss dieser ausgewählt werden. Er ist nun per Bluetooth (genauer: Bluetooth Low Energy, BTLE) mit dem iPhone verbunden.

Danach fragt Loop nach Pumpenregion, -farbe und -seriennummer. Diese Informationen finden sich oben rechts auf dem Typenschild auf der Rückseite der Pumpe. Die Region ist wahrscheinlich WW (worldwide; es gibt noch NA für Nordamerika und CA für Kanada), die Farbe B (blau), L (transparent), P (lila) oder S (schwarz). Die Seriennummer (meist mit SN oder S/N bezeichnet) ist unten rechts auf dem Typenschild, benötigt wird nur die 6-stellige Zahl daraus.

Wenn diese Informationen stimmen, wird die Pumpe nach Drücken des "Weiter"-Knopfs eingebunden. Wenn es nicht klappt, kann es sein, dass der RileyLink zu weit von der Pumpe entfernt ist. Bei meinem ersten Versuch war das so (Tochter schlief, ich saß vor dem Zimmer im Flur), beim zweiten Versuch habe ich den RileyLink neben ihr Bett gelegt.

Als nächstes stellt man die Pumpenzeit per Loop-App einstellen. Damit die Loop-App und die Pumpenzeit künftig immer synchron sind, darf man an der Pumpe die Zeit nicht mehr verstellen. Das erfolgt künftig ausschließlich über die App.

Dann importiert man seine aktuelle Basalrate und die Einstellungen für die maximale Basalrate und den maximalen Bolus von der Pumpe in Loop. Auch diese Parameter sollten künftig nur noch über Loop eingestellt werden.

Um die korrekte Restenergie der Batterie berechnen zu können, benötigt Loop als nächstes den Batterietyp, also Alkali oder Lithium.

Die bevorzugte Datenquelle sollte auf dem voreingestellten Wert "Event History" belassen werden.

CGM konfigurieren

Nun ist die Pumpe eingebunden und konfiguirert. so dass man sich dem CGM widmen kann. Für Dexcom G5 oder G6 wird direkt auf den Sender zugegriffen, daher muss auch die Sender-ID eingegeben werden. Nicht vergessen, dies nach Wechsel des Senders im Konfigurationsmenü von Loop anzupassen!

Sollte die Verbindung zum Sender mal nicht zur Verfügung stehen, versucht Loop, sich die Blutzuckerwerte vom Dexcom-Server zu holen. Daher sollte der Benutzername und das Passwort des Dexcom Share Kontos eingegeben werden. Außerdem muss sichergestellt sein, dass man in der Dexcom-App seine Blutzuckerwerte mit mindestens einer Person teilt (notfalls mit sich selbst), sonst ist ein Zugriff nicht möglich. Ob Loop die Blutzuckerwerte gerade aus dem Internet holt und nicht direkt vom Sender, erkennt man an der kleinen Wolke über dem Blutzuckerwert in der Statuszeile von Loop.

Korrekturbereich einstellen

Als nächstes stellt man den Blutzucker-Korrekturbereich ein. Dies ist der Bereich, auf den hin Loop versucht zu korrigieren. Er stimmt nicht unbedingt mit dem Zielbereich überein, den man mit seinem Diabetologen vereinbart hat, sondern ist in der Regel enger gefasst. Wir sind initial mit 100-100 mg/dl gestartet (da in der Loop-Dokumentation öfters so gesehen), es hat sich aber herausgestellt, dass dies zumindest für den Anfang zu eng war. An Tag 2 haben wir diesen Bereich dann auf 100-120 mg/dl aufgeweitet, d.h. im Mittel ist der Zucker dann etwas höher, dafür "rauscht" man nicht so schnell versehentlich in den Unterzucker, wenn Loop mal zu viel Insulin dosiert hat. Der Abstand von 20 mg/dl zwischen unterem und oberen Wert wird auch in der Loop-Dokumentation empfohlen.

Mit dem kleinen Plus-Zeichen oben rechts kann man tageszeitabhängig unterschiedliche Korrekturbereiche einstellen. Wir begnügen uns zunächst mit einem. Wichtig ist, dass die erste (und ggf. einzige) Eingabe bei 0:00 Uhr (12:00 AM) beginnt, wie auch bei der Pumpe.

Sonder-Korrekturbereiche für "vor dem Essen" und Sport einstellen

Loop erlaubt auch, zwei Sonder-Korrekturbereiche zu definieren, eine für "vor dem Essen" (Pre-Meal) und einen für Sport.

Drückt man den "vor dem Essen"-Knopf in der unteren Symbolleiste von Loop, wird mehr Insulin zugeführt, um den eingestellten Korrekturbereich zu erreichen (in unserer Erstkonfiguration 80-80 mg/dl). Diese Einstellung bleibt entweder ein Stunde lang aktiv, oder bis man Kohlenhydrate eingibt, oder bis sie manuell abgestellt wird - was immer zuerst auftritt.

Den "Sport"-Knopf sollte man 1-2 Stunden vor der Aktivität drücken, damit die reduzierte Insulinzufuhr auch zum gewünschten Blutzuckeranstieg führt (Korrekturbereich in unserer Erstkonfiguration: 150-150 mg/dl).

Suspend-Schwellenwert setzen

Der hier definierte Suspend-Schwellenwert, ein unterer Grenzwert für den Blutzucker (in unserer Erstkonfiguration 80 mg/dl), hat Auswirkungen auf die Basalrate als auch auf den Bolus:

  • Bolus: Liegt mindestens ein Wert des von Loop prognostizierten Blutzuckerverlaufs unterhalb des definierten Schwellenwerts, kann kein Bolus abgegeben werden. Man muss erst warten, bis sich die Prognose "erholt" hat.
  • Basalrate: Liegt der aktuelle Blutzucker oder mindestens ein Wert des von Loop prognostizierten Blutzuckerverlaufs unterhalb des definierten Schwellenwerts, wird immer eine temporäre Basalrate von 0 vorgeschlagen (Open Loop Modus) bzw. eingestellt (Closed Loop Modus). Diese Funktion ist vergleichbar mit der Smart Guard Funktion einer Medtronic 640G-Pumpe.

Verabreichungslimits setzen

Die maximale Basalrate und der maximale Bolus (gemeinschaftlich als Verabreichungslimits bezeichnet) wurden bereits von der Pumpe in Loop importiert und können hier geändert und wieder in die Pumpe zurückgespeichert werden. Dies sollte man aus Konsistenzgründen auch immer über Loop machen.

Loop wird nie die hier definierte maximale Basalrate überschreiten. Unsere Erfahrung ist, diesen Wert nicht zu hoch zu wählen. Wir hatten initial eine maximale Basalrate von 1,0 IE gewählt bei einer regulären Basalrate von 0,4 IE als höchsten Wert im Tagesverlauf, in anderen Worten, Loop konnte eine Basalrate von gigantischen 250% einstellen. Konsequenz: Loop hat öfters mal übersteuert und Hypos verursacht. Das haben wir nun korrigiert und sind auf 0,7 IE (175%) zurückgegangen.

Ebenso wird Loop nie mehr Bolusinsulin verabreichen als hier definiert. Empfehlung ist, diesen Wert auf den erfahrungsgemäß größten Boluswert seiner persönlichen Essgewohnheiten einzustellen.

Insulinmodell auswählen

Das Insulinmodell sollte entsprechend seines verwendeten Insulins gewählt werden.

Alle Modelle sind auf 360 Minuten Gesamtwirkdauer voreingestellt, der Unterschied liegt in der Zeit, nach der das Insulin am stärksten wirkt (Wirkhöhepunkt):

  • Schnell handelnd - Erwachsene: 75 Minuten
  • Schnell handelnd -  Kinder: 65 Minuten
  • Fiasp (das neue, schnelle Insulin von Novo Nordisk): 55 Minuten

Das Walsh-Modell ist ein Loop-eigenes Modell, das in vielen Parametern angepasst werden kann. Hier sei auf die entsprechende Dokumentation verwiesen.

Aufgrund dieses Artikels von Katie DiSimone, einer in der Loop-Community sehr aktiven Frau (auch in der Programmierung von Loop) mit Typ-1-Diabetes-Tochter, haben wir das Walsh-Modell gewählt und die DIA (Duration of Insulin Action - Insulin-Wirkdauer) auf 5 Stunden ausgedehnt. In der klassischen Pumpentherapie waren 3 Stunden ausreichend. Der Artikel von Katie DiSimone erklärt sehr gut warum (Ihr Blog ist generell sehr interessant):

In der klassischen Pumpentherapie wird das noch wirksame Insulin (IOB - Insulin on Board) nur zu einem Zweck benötigt, nämlich um die noch wirksame Insulinmenge zu einem bestimmten Zeitpunkt nach Bolusgabe grob abzuschätzen. Dies braucht man nur dann und in der Regel nur einmalig, wenn irgendeine andere Abnormalität (z.B. falsch abgeschätzte Kohlenhydratmenge) zu einem zu hohen oder zu niedrigen Blutzuckerwert geführt haben.

Beim Loopen hingegen wird die DIA, die Insulinwirkdauer, und damit auch das IOB, das noch wirksame Insulin, in jedem Loop, also fast jede Minute, genutzt, um die nächste temporäre Basalrate zu berechnen. Zusätzlich ist auch immens wichtig, wir stark das Insulin noch wirkt. Daher spielt eine korrekte Insulinwirkdauer eine wesentlich entscheidendere Rolle als bei der klassischen Pumpentherapie.

Kohlenhydrat-Verhältnisse eingeben

Diese wichtige Eingabe, die auch tageszeitabhängig variiert werden kann (Plus-Zeichen), legt fest, wieviel Kohlenhydrate eine Insulineinheit kompenisert.

Insulinsensitivität eingeben

Diese wichtige Eingabe, die ebenfalls tageszeitabhängig variiert werden kann (Plus-Zeichen), definiert, wie stark der Blutzuckerwert pro einer abgegebenen Insulineinheit absinkt. Ein höherer Wert bedeutet dabei, dass weniger Insulin berechnet wird. Wenn der Wert z.B. 100 mg/dl/IE beträgt, dann würde Loop genau eine IE abgeben, um den Blutzuckerwert um 100 mg/dl zu senken, wohingegen ein Wert von 150 mg/dl/IE bedeutet, dass Loop lediglich 0,67 IE abgeben würde, um den Blutzucker um den gleichen Betrag zu senken. Vorsichtigen Menschen sei also ein höherer Wert empfohlen.

Open oder Closed Loop Modus wählen

Im Open Loop Modus empfiehlt Loop lediglich temporäre Basalraten, wendet sie aber nicht automatisch an. Eine Anwendung erfolgt erst nach manueller Bestätigung der Empfehlung in der App. Das bedeutet natürlich auch, dass man öfters mal auf seine Loop-App schauen sollte, um nicht den richtigen Zeitpunkt zu verpassen.

Im Closed Loop Modus steuert Loop die temporären Basalraten der Pumpe vollautomatisch.

Wir sind im Open Loop Modus gestartet und haben uns in der zweiten Nacht erstmalig den Closed Loop Modus getraut. Ohne elterliche Aufsicht würde ich den Closed Loop Modus in den ersten Tagen jedoch noch nicht empfehlen.

Services wählen

Will man einen der hier aufgeführten Services, z.B. Nightscout, nutzen, muss man diese hier konfigurieren.

Nightscout-Darstellung am PC

Nightscout ist eine nützliche Applikation (im Browser oder als App), die Blutzuckerwerte, aktives Insulin, aktuelle Pumpenwerte, etc. darstellt, d.h. man hat das, was Loop im Blick hat, weltweit überall im Blick. Gut für Eltern von Diabetikern.

Ferner kann ein Nightscout-Screenshot gut genutzt werden, um in diversen Selbsthilfeforen um Rat zu fragen. Selbst beim Besuch seines Diabetologen kann es hilfreich sein, sich die Historie in Nightscout anzuschauen.

Ich will aber nicht verschweigen, dass in seiner Grundkonfiguration die Diabetesdaten ohne Passwortschutz im Internet zugänglich sind. Zwar muss man die Internet-Adresse kennen, aber dennoch mag das den einen oder anderen von vorne herein abschrecken. Dies kann man seit kurzem abstellen, wie hier beschrieben - zuvor muss jedoch Nightscout eingerichtet werden.

Heroku-App schläftEbenfalls wichtig zu wissen ist, dass, nutzt man das Gratis-Angebot von Heroku als App-Hoster, die Webapplikation an 6 Stunden pro Tag "schläft", d.h. Nightscout ist dann nicht erreichbar. Will man das nicht, muss man in einen Hobby-Account für 7$/Monat investieren.

Wichtig ist, dass in den Einstellungen der Loop-App die während der Nightscout-Konfiguration festgelegte Internet-Adresse eingegeben wird.

Neben dem Blutzuckerverlauf, den aktuellen Pumpendaten (im Feld "Pumpe"), dem Batteriestand der Pumpe, den noch wirkenden Kohlenhydraten (COB - Carbs on Board), dem noch wirksamen Insulin (IOB - Insulin on Board), der aktuellen temporären Basalrate, und einigen Dingen mehr wird auch der Loop-Status angezeigt mit folgenden Statussymbolen:

X   Loop-Fehler

ϕ   Eine empfohlene temporäre Basalrate ist vorhanden, wurde jedoch nicht angewandt (entweder wegen Open Loop Modus oder weil die Pumpe pausiert wurde)

  Eine neue temporäre Basalrate wurde angewandt

  Loop läuft mit der letzten temporären Basalrate weiter, keine Änderung

  Warnung (es wurde kein Loop vollendet seit dem Zeitraum, den man in Nightscout als LOOP_WARN konfiguriert hat)

Fährt man mit der Maus über das Loop-Feld, werden einem noch die aktuellen Loop-Werte angezeigt.

Nightscout gibt es auch als App für das iPhone.

Weblinks zu Loop

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